Reclaim the Game - Football for millions of Fans, not billions of Euros.

Hallo Borussen,

beim Heimspiel gegen den AC Mailand waren zahlreiche Spruchbänder zu sehen, die sich mit der Reform der europäischen Wettbewerbe auseinandersetzten.

Auf diesem Blog wollen wir gemeinsam mit euch einen genauen Blick auf die anstehende Reform werfen und der von der Südtribüne aufgeworfenen Frage „Für wen ist dieser Fußball und Wettbewerb noch?“ nachgehen. An dieser Stelle möchten wir euch zunächst auf die Aufzeichnung des letzten Fanpolitischen Stammtisches ans Herz legen, der sich bereits dieser Thematik widmete. Ihr findet ihn unter: https://bit.ly/3LM48l2

Aber nun zur Sache: Vielleicht sind euch die Grundzüge der Reformierung der Europapokal-Wettbewerbe bereits bekannt. Dennoch wollen wir die grundlegenden Änderungen kurz skizzieren: 

Warum das Ganze? Schließlich mochten wir doch alle den allseits bekannten Modus mit seinen Vierergruppen sowie den sich anschließenden K.O.-Spielen vom Achtelfinale bis hin zum großen Finale. Um dem Fazit direkt vorwegzugreifen: Es geht wie eigentlich immer um das große Geld.

Die UEFA hat im Zuge der Vorstellung der Reform verlautbaren lassen, dass die Vorrunde mit der Reform „kommerziell“ aufgewertet und gleichzeitig der Eintönigkeit der Gruppenphase begegnet werden solle. Weshalb zwischen der „Vorrunde mit einem Ligasystem“ und den eigentlichen K.O.-Spielen dann noch eine Playoff-Zwischenrunde stattfinden muss? Gleiches gilt für die Frage nach der Aufblähung des Teilnehmerfeldes. Die Antwort auf beide Fragen ist leicht zu beantworten: Es geht um den Fan vor dem Bildschirm und um ein Plus an Spielen, die vor dem Bildschirm konsumiert werden können. Daraus folgen höhere TV-Einnahmen und damit gleichzeitig mehr Geld für Verbände und Vereine – auf Kosten von Spielern, Fans und der nationalen Wettbewerbe.

Das wahre Problem der Eintönigkeit, die vor allem daraus resultiert, dass in der Gruppenphase finanzielle Welten aufeinanderprallen und die Platzierungen in den Abschlusstabellen der Gruppen häufig schon nach der Auslosung feststehen, bleibt unberührt. Ein Phänomen, das wir seit Jahren im Kleinen bereits europaweit in den nationalen Wettbewerben beobachten können und seit 2014 auch zusehends in der Champions- und Europa-League erleben. Längst vorbei scheinen die Zeiten, in denen Traditionsvereine, wie Werder Bremen oder der 1. FC Kaiserslautern, um die Deutsche Meisterschaft mitmischen oder „Underdogs“ wie der BVB oder der FC Porto noch einmal das Champions League-Finale erreichen. 

Das Problem der finanziellen Unausgeglichenheit unter den teilnehmenden Mannschaften könnte sich mit dem neuen Modus – verbunden mit den zukünftig steigenden Erlösen – sogar weiter verstärken. Dazu kommt, dass die „Großen“ mit der Reform eine „Vollkaskoversicherung“ erhalten, mit der selbst mit dem fünften Platz in der nationalen Liga die Teilnahme an der Champions League unter Umständen möglich ist. Finanzielle Risiken? Fehlanzeige!  

Mit der Erlössteigerung aus den europäischen Wettbewerben und der zunehmenden Anzahl an europäischen Spielen ist zudem eine weitere Abwertung der nationalen Ligen und Pokalwettbewerbe zu befürchten, denen es bereits heute oft an Attraktivität fehlt. Damit geht einher, dass für die Nationalverbände schlicht weniger vom Kuchen übrigbleibt, wenn die Sendeanstalten mehr Geld für die bald teureren TV-Rechte an den UEFA-Wettbewerben hinblättern müssen. Die gesteigerten Erlöse aus den Europapokal-Wettbewerben werden für die Verfestigung der in den nationalen Ligen schon vorherrschenden Strukturen ihr Übriges tun. Dies könnte einer drohenden Super-League mittel- bis langfristig endgültig den Weg ebnen.

Alternativen, die den wahren Problemen eintöniger UEFA-Wettbewerb begegnen könnten, gäbe es dagegen zuhauf. Neben der konsequenten Umsetzung der Regularien zum Financial Fairplay, sind die gerechte Verteilung der Erlöse aus den europäischen Wettbewerben und die Unterbindung von Multi-Club-Ownership-Strukturen lediglich wenige von vielen Möglichkeiten, um die europäischen Wettbewerbe wieder zu dem zu machen, was sie eigentlich sein sollten: Das sportliche Kräftemessen der sportlich besten Mannschaften in Europa. 

Wir werden deshalb nicht müde, uns mit den oben dargestellten Entwicklungen auseinanderzusetzen und unsere Forderungen nach einem gerechten Fußball zu erneuern. Holen wir uns unser Spiel zurück!

FOOTBALL FOR MILLIONS OF FANS, NOT FOR BILLIONS OF EUROS! 

SÜDTRIBÜNE DORTMUND